|
Hallo ihr treuen Rockstory-Fans
Die Geschichte handelt von Rudolf Schenker, dem
Scorpions-Gitarristen und Scorp`s Chef.
Jetzt sind es drei Wochen her, dass ich das
letzte Mal mit Rudolf gesprochen habe.
Er war der Musiker, der mich ins internationale Rockgeschäft
geholt hat. Mit seiner Schwester Barbara zusammen habe ich
übrigens VIVA wieder ins Leben gerufen, und auch dabei stand
uns Rudolf immer mit Rat und Tat zur Seite.
Das letzte Mal, als die Scorpions in der
Schweiz gastierten, im Zürcher Hallenstadion, habe ich ihn
und auch Klaus und die andern besucht, wie es schon
Tradition ist. Da wir uns schon über 25 Jahre kennen, wurde
es Zeit für ein Jubiläumsgeschenk. Da wir beide extreme
Silberschmuck-Fans sind, war das eine leichte Übung. Wir
trafen uns auf der Aftershow-Party in Zürich. Auf dem Klo
(den sog. Toiletten) schauten wir uns im Spiegel an und
stellten übereinstimmend fest, dass wir schon bessere und
jüngere Zeiten gesehen hatten! Ich sagte: „Na Alter, wie
steht’s?“ Er antwortete in seinem typischen Rudolf-Humor:
„Ja, das tut er noch!“ |

Rudolf Schenker (Scorpions) |
|
Nachdem wir uns die Nasen gepudert hatten,
sagte ich: „Alter, jetzt kennen wir uns schon länger als die
meisten Rockbands zusammengehalten haben. Und wir machen
immer noch Platten! (Ah, ja, jetzt heisst es ja edel: CDs
oder Silberlinge.) Ich zog meine Lieblings-Silberkette vom
Hals und überreichte sie Rudolf als Glücksbringer. Da war er
platt. Ganz erstaunt fragte er: „Was, die Königskette?
Scheisse ist die schwer! Ich habe nur meine hier. Wow,
Marco! Die kann ich doch nicht annehmen, ich weiss doch, wie
du daran hängst (im übertragenden Sinn).“ Dann schaute er
mir tief in die Augen: „Okay, ich nehme die Kette nur an,
wenn du dafür immer die meine trägst.“ Also nahm er seine
Silberkette – weltbekannt aus vielen Videos und
Fernsehauftritten – vom Hals und überreichte sie mir mit
einer brüderlichen Geste. Ich war ja soooo stolz! Dabei
hatte mir Rudolf im Laufe unserer Freundschaft schon viele
Geschenke gemacht, so zum Beispiel die Rock’n Roll-Treter.
Ich erinnere mich genau an die glänzenden, knallroten Schuhe
mit den schwarzen Punkten und den verdammt hohen Absätzen.
Als wir kürzlich telefonierten, sagte er voller Stolz zu
mir: „Alter, schau dir die neue DVD „Scorpions Acustica“ an!
Ich trage deine Kette, und zwar auf der ganzen DVD.
Ist doch cool oder, Marco?!“ Und wie! Verschärft ist, in
diesem Business, das nicht umsonst als das härteste der Welt
bezeichnet wird, so liebe und gute Freunde zu haben.
Versucht’s mal, nur für zwei Jahre. Mal schauen, ob ihr es
nur annähernd bis an die Spitze schafft... „Its a long way
to the top“, hat einmal eine Schweizer Rock-Ikone gesungen,
hä hä hä!
Noch kurz eine andere Geschichte:
Die Scorpions habe ich zum ersten Mal um
1979 im weltberühmten Londoner Hammersmith Odeon gesehen.
Damals spielte ich mit meiner ersten Profi-Band, den Tigers
Of Pan Tang, einer der ersten Bands der damals weltweit
aufkommenden New Wave of British Heavy Metal, kurz:
N.W.O.B.H.M. Wir spielten als Vorgruppe von
Blackfoot und den Scorpions!! Selbstverständlich
ging es da wirklich wild (!) zu und her. Ja ja, alles fing
Feuer! Die Hölle kochte gemeinsam mit dem euphorisch
stampfenden und klatschenden Publikum über. So haben die
Brits – oder wer auch immer – das Bangen erfunden. Auf alle
Fälle ging’s da schwer zur Sache, mit viel Leder und
Jeanswesten, übersät mit Badges, Schweiss und Blut!!! Der
eine Gitarrist von Blackfoot, der Legende des U.S. Southern
Rock, Rick Mattlock, tobte sich dermassen aus, dass er –
Ehrenwort! – Löcher in den Bühnenboden stampfte! Die waren
so gross, dass es einen voll auf die Fresse haute, wenn man
nicht gewarnt wurde! Seine Rowdys machten Rudolf wohl darauf
aufmerksam, aber er dachte, sie scherzten. Licht aus! Die
Leute fingen an zu johlen: „Scorpions, Scorpions, Scorp...“
Spot an! „Ladies and Gentlemen…
from Hanover, fuckin’ Germany... the amazing...
Scorpions!!!” Und ab ging die Post: Rudolf
stürmte auf die Bühne und konnte mit viel Glück und Geschick
vermeiden, der Länge nach auf die Schnauze zu fallen. „Scheisse!
Da sind ja tatsächlich melonengrosse Löcher in der Bühne“,
schrie er seinen Gitarren-Rowdy an. „Pflastert sofort diese
Scheisslöcher zu, bevor ich mir die Beine oder gar das
Genick breche, ihr Ärsche!!!“ Allgemeines Gelächter hinter
der Bühne, während Rudolf, in bester Slalomperformance, um
die Löcher kurvte. Im Blitztempo wurde getaped und die Show
ging ohne weitere Zwischenfälle über die Bühne. Und die
Moral von der Geschicht’? Soll man ’nem Rowdy trauen oder
nicht?
So, es ist an der Zeit für mich aufzuhören.
Nur noch eines zum Schluss: Ihr wisst doch bestimmt, wie
Angus Young von AC/DC sich einen Namen machte? Jawohl, er
zeigte beim Bad-Boy-Boogie seinen blanken Arsch! Rudolf
hatte damals auch einen Move, der ihn und die Scorpions
weltberühmt machte. Na, wer weiss es? Hielt er die Gibson
Flying V in die Höhe? Falsch! Das macht er heute. Berühmt
wurde er durch seinen Kopfstand, den er in jede Show
einbaute.
Also bis zur
nächsten Story. Betet brav den Teufel an, das kommt immer
gut! Euer Marco Paganini alias Triple 6 |